Toleranz beim Thema Schächten?

Claudia Schäfer, Tierschutzverein Ludwigshafen

Wieviel Toleranz ist beim Thema Schächten vertretbar? Ist das Recht auf freie Religionsausübung wichtiger, als das Recht des Tieres auf Schutz?

Das fragen wir Tierschützer uns immer wieder, wenn es um Rituale bestimmter Glaubensgemeinschaften geht, wie z. B. beim islamischen Opferfest, das auch in Deutschland von den Menschen islamischen Glaubens begeistert gefeiert wird.

Das „Schlachten ohne Betäubung“, wie sich das Schächten definiert, ist eine sehr grausame Tötungsmethode, die gegen das Tierschutzgesetz verstößt, denn dass das Schächten dem Tier erhebliche Schmerzen bereitet, darüber dürfte es keine Zweifel geben: ihm wird bei vollem Bewußtsein die Luftröhre, die Speiseröhre und die Halsschlagader durchgeschnitten, damit es verblutet. In den weit aufgerissenen Augen des Tieres kann jeder die wahnsinnige Angst und Panik erkennen. Und es dauert ziemlich lange, bis es durch den Blutverlust bewußtlos wird.

Zwar war das betäubungslose Schächten in Deutschland bisher verboten, doch das Urteil des Bundesverfassungsgerichtes vom 16.01.2002 erlaubt es Muslimischen Metzgern in Zukunft, ihre Glaubensüberzeugung und ihr Recht auf Berufsausübung über das Recht der Tiere zu stellen. Denn obwohl führende jüdische und islamische Theologen das Schächten ablehnen, fordern orthodoxe oder fundamentalistische Anhänger dieser Glaubensrichtungen ihr Recht auf diese grausame Tötungsart. Wenn die deutsche Aufsichtsbehörde „Feierabend machte“ oder wenn sie wohlwollend wegsah, wurde dieses zweifelhafte Recht auch schon bisher ausgeübt. Dabei ist weder im Koran noch in anderen Religionsbüchern eine Verpflichtung zum Schächten vorgeschrieben, vor allem nicht ein Verbot der vorherigen Betäubung.

Wie grausam die Schlachtmethoden auch schon mit vorheriger Betäubung sind, zeigt nachfolgender Augenzeugenbericht.

Kurban Bayrami, Islamisches Schlachtfest in einer Hammelschlächterei bei Ludwigshafen im Jahre 2000

Rund um das Anwesen Verkehrschaos: parkende Autos, in deren Kofferraum große Plastiksäcke eingeladen werden. Leichensäcke. Im Hof Menschen in freudiger Erwartung, ein Verkaufsstand mit Fladenbrot. Eine Junge Türkin filmt begeistert mit einer kleinen Videokamera. Niemand nimmt Anstoß daran, also beginne auch ich mit der Dokumentation des Grauens.

Ein großes Holztor zum Innenhof, wo die Schlachttiere darauf warten, dass sie ausgesucht werden:An der Kasse wird bezahlt, man erhält einen Abschnitt mit einer Nummer, die in Abständen aufgerufen werden. (Kurz nach zwölf Uhr ist man schon bei Nummer Einundneunzig). Dann bekommt man einen schmutzigen Strick in die Hand gedrückt und wird durch das Tor in den Innenhof gelassen.Unter einem Vordach und weiter hinten, zum Teil noch im Transportfahrzeug, sind Rinder angebunden und warten auf ihr Schicksal.

Das Eingangstor

In einem Kleinlaster ein ausgesondertes, krankes Schaf. Hinter dem Gebäude in einem Pferch 20 bis 30 Schafe. In einem abgetrennten Gatter noch einmal so viel. Die sind für morgen. Viele Schafe husten, haben wohl Lungenwürmer. Die Hufe sind teilweise deformiert. Auf dem Boden verdrecktes Stroh, das mit tierischen Exkrementen vollgesogen ist. An manchen Stellen steht die Brühe einige Zentimeter hoch.

Die Tiere werden abtransportiert

Dafür haben die Schafe kein Wasser mehr in den Trögen. Eine Amtstierärztin füllt nach. „Ist eigentlich nicht meine Aufgabe. Aber sonst fühlt sich niemand für die Tiere verantwortlich. Müssen sowieso sterben.“ Jeder Käufer sucht sich selbst ein Tier heraus. Einer bindet das Schaf an Vorder- und Hinterbein zusammen. Das ist nicht erlaubt. Der Strick muß um den Hals gelegt werden, zum Führen, ohne dem Tier weh zu tun oder es zu strangulieren. Amtsveterinärin schreitet ein. Käufer ist uneinsichtig, will sich von (deutscher) Frau nur ungern belehren lassen. Jeder muß sich mit seinem Schaf anstellen und darauf warten, dass sein Tier geschlachtet wird. So steht man vielleicht eine halbe Stunde, das Schaf zwischen den Knien. Am anderen Ende der Schlange beginnt das blutige Handwerk.

Das Tier wird auf eine Art Bettgestell aus Metall gezerrt und festgehalten. Helle Panik tritt in seine Augen. Eine angstfreie Tötung gibt es auf der ganzen Welt nicht. Ein Mitarbeiter schreit den Namen Allahs in einer Gebetsformel und greift zur Betäubungszange, die an einem Gerät, das aussieht wie eine Autobatterie, befestigt ist. Hoffentlich ist der Stecker auch drin.

Mehr oder weniger fachgerecht presst er dem Tier die Zange an die Schläfen und jagt einen kurzem Stromstoß (sind es jedesmal die vorgeschriebenen zwei Sekunden?), der es betäuben soll durch den Kopf.Ein anderer Mitarbeiter reißt den Kopf des Schafes nach hinten, sucht im dichten Fell des Halses nach der richtigen Stelle und zieht mit mehreren Schnitten ein Messer durch die Kehle. Grellrotes, pulsierendes Blut spritzt in eine vor dem Gestell stehende Wanne.

Das Tier keilt mit den Hinterbeinen aus. Wenn es ausgeblutet ist, wird es daneben geworfen zur Weiterverarbeitung. Die anderen Schafe, die noch nicht an der Reihe sind, liegen seitlich davon und dürfen zuschauen. Eine „Aufsichtsperson“ des Veterinäramtes steht hoheitsvoll in der Mitte des Geschehens, ein belegtes Brötchen in der Hand, und spritzt seelenruhig das Blut weg, das aus der Wanne geschwappt ist. Menschen drängen sich vor und stehen sich gegenseitig im Weg, um den besten Blick auf das Gemetzel zu ergattern. Volksfeststimmung.

Unbeschreiblich viele Männer, Frauen und Kinder, die bei dem makabren Schauspiel begeistert zusehen. Dazwischen schwer beschäftigte Schlachter und Mitarbeiter der Fleischbeschau. Der Boden ist mit blutiger Brühe bedeckt. Es riecht seltsam, ekelerregend. An einem Gestell hängen Schafskadaver, Männer sind beim Ausweiden. Daneben eine Stellage, auf dem den toten Schafen vorher das Fell abgezogen wird. Rechts davon Wannen mit „Kleinteilen“, tote Tiere werden im Akkord zerlegt. Ein abgetrennter Schafsfuß liegt herum, Menschen laufen darüber hinweg. Stimmengewirr, Hektik, fließbandartiger Betrieb.

Eines der an der Decke angebrachten Gestelle mit den Schafskadavern ist kurz vorher heruntergefallen und hat einen Arbeiter verletzt. Egal. Es wird weitergearbeitet. Auch der leicht verletzte Auch weiter hinten in anderen „Fleischverarbeitungsräumen“ zerteilen Menschen große Tierkadaver in Portionen. An der Decke hängt ein ausgeweidetes, abgezogenes Rind. Ein weiteres Rind wird gerade enthäutet. Auf dem Boden liegt ein abgetrennter Kuhkopf, die Zunge hängt heraus. Innereien landen in großen Mülltonnen und werden weggerollt, nach draußen, damit auch die Anwohner etwas von dem Gestank haben.

Die Rinder werden, nachdem sie von ihren „Käufern“ ausgesucht wurden, in einen sogenannten Umlegeapparat getrieben. Er sieht aus wie eine überdimensionale längliche Trommel mit einer Öffnung an der Stirnseite, durch die der Kopf (mit unbeschreiblich angstvoll aufgerissenen Augen) schaut. Wird das Tier innen irgendwie befestigt ? Hoffentlich. Dann wird der Apparat um seine eigene Achse gedreht, bis das Rind auf dem Rücken liegt, der Kopf wird mit einer Klammer nach unten gedrückt und gibt die Kehle frei. In den Augen ist jetzt fast nur noch das Weiße zu sehen. Wieder kommt eine Betäubungszange zum Einsatz.

Einer der Abschlachter hält eine Plastikplane vor den Kopf des Tieres, bevor der Schnitt gesetzt wird. Wohl weniger aus Pietätsgründen, als aus Gründen der zu erwartenden Blutfontänen. Nach mehreren Schnitten fällt der Kopf des Rindes nach hinten, hängt nur noch am Rückgrat. Rote Sturzbäche schießen aus dem Innern des Tieres und ergießen sich in eine Wanne und überall sonst hin, Luft entströmt stoßweise dem zuckenden Körper. Grausige Töne, wie ein lautes Aufstöhnen, so als ob das Tier noch versucht zu schreien. Ob das möglich ist? Es dauert sehr lange, bis es ausgeblutet ist. Inzwischen wird die Plane wieder weggelegt, jeder hat freien Blick auf den weit aufklaffenden Hals und die durchtrennten Organe. Wie lange mag das Tier brauchen, bis es hirntot und wirklich absolut schmerzunempfindlich ist?

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